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Ein deutscher Sommer von Peter Henning

Am 16. August 1988 überfallen zwei Männer die Filiale der Deutschen Bank in Gladbeck und lösen damit die wohl spektakulärste Geiselnahme der deutschen Nachkriegsgeschichte aus. Verfolgt von einer Journalistenhorde, fliehen sie durchs Land. Vor laufenden Kameras töten sie, liefern sich Schießereien mit der Polizei und werden in Köln von namhaften Journalisten interviewt, während die Geiseln in Lebensgefahr schweben. Aber der Tag hat noch andere Geschichten. Da ist zum Beispiel der junge RTL-Journalist Thomas Bertram, der über den Fall berichten soll, während sein neugeborener Sohn zu sterben droht. Oder die erfolgreiche Romance-Autorin Brigitte Fischer, die durch das Drama begreift, was ihren Mann, der als Kriegsreporter ums Leben kam, umtrieb. Und noch einige mehr.

Ein Roman, der einem eine Gesellschaft zeigt, die nach neuen Nachrichten und Informationen giert, egal was es kostet. Dieses Geiseldrama zeigt Voyeur-Journalismus in seiner schlimmsten Form. Für das, was damals passierte, fehlen einem die Worte. Das kollektive Versagen von Polizei und so vielen anderen Menschen, kostete am Ende zwei Menschenleben. „Ein deutscher Sommer“ ist ein Gesellschaftsroman der aber noch mehr zeigt als dieses schlimme Geiseldrama, er zeigt einen kleinen Auszug aus dem Jahre 1988 und verrät uns doch so viel über die Zeit von damals. Es geht um Beziehungen, Familie, das Kinder bekommen, Liebe, Freundschaft, Einsamkeit, Angst vor dem Leben, Tod, Karriere, Macht und den Hunger nach Erfolg. Die fiktiven Figuren, die Henning zu den realen dazugeschrieben hat, ziehen einen mit. Man will immer wissen, was weiter passiert.

Aufbau, 605 Seiten; 22,99 Euro


Quelle:www.denglers-buchkritik.de

 



Zuletzt geändert von Matthias Kehmeier (kehmeier)  am 7.9.2013  um 07:45
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