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Verbotene Welt von Isabel Abedi

(ab 10 Jahren)

 

Was bedeutet es, wenn ein einziger Mensch soviel Macht hat, dass er die bedeutendsten Gebäude der Welt auf Miniaturgröße zusammenschrumpfen lassen kann und sie in einem Keller sammelt? Isabel Abedi lässt uns, gemeinsam mit Otis und Olivia, zwei 12jährigen Kindern, in ein spannendes Abenteuer eintauchen und verstrickt mehrere Handlungsstränge zu einer packenden Geschichte.

Otis, ein 12jähriger Junge aus New York, der unter seiner rastlosen Mutter leidet, und Olivia, eine 12jährige Berlinerin, deren Mutter Alkoholikerin ist, könnten verschiedener kaum sein. Nichts, außer der Tatsache, dass die Kinder mit ihren Müttern alleine leben, verbindet die beiden – zunächst …

Der amerikanische Junge wird von seinen Mitschülern oft wegen seiner schmächtigen Erscheinung gehänselt und nicht ernst genommen. Otis interessiert sich sehr für Architektur, doch seine besondere Begeisterung für die imposanten Gebäude steht in ständigem Widerspruch zu seiner enormen Höhenangst. Seine Mutter zieht es zudem immer wieder an neue Orte und das immer dann, wenn Otis sich gerade irgendwo eingelebt hat.

Olivia hingegen, die in Berlin – Kreuzberg aufwächst und unter den häufigen Alkoholeskapaden ihrer Mutter leidet, legt nicht viel Wert auf die Gesellschaft Gleichaltriger und findet, neben ihrer treuen Brieftaube Columbina, ihre Freunde eher unter den Erwachsenen. Die beiden ungleichen Jugendlichen teilen jedoch ein gleiches Schicksal: Beide befinden sich genau in dem Moment in einer bekannten Sehenswürdigkeit, als diese für den öffentlichen Zugang verschlossen wird. Olivia, die aus Angst in ein Heim gebracht zu werden, vor der Polizei in das Berliner Kaufhaus des Westens geflohen ist und Otis, der sich zum gleichen Zeitpunkt auf einer Toilette in der Freiheitsstatue befindet, werden mitsamt des Bauwerkes auf Miniaturgröße geschrumpft – und verschwinden vom Erdboden.

Plötzlich finden sich die Kinder in einem riesigen Raum wieder, dessen Dimensionen endlos zu sein erscheinen. Sie sehen den Eiffelturm neben der Sphinx, die Freiheitsstatue gegenüber dem KaDeWe. Der Erdboden sieht aus, wie eine Holzplatte und der Mond hängt an einer Schnur vom Himmel herunter.

Nach und nach realisieren die beiden Kinder, dass sie sich in einem Kellerraum befinden, in dem Reginald, ein schottischer Schlossbesitzer, mit krankhafter Besessenheit die berühmtesten Bauwerke der Welt in seinen Besitz gebracht hat. Die Macht, die Sehenswürdigkeiten auf Miniaturformat zu schrumpfen, hat er durch die Kraft einer kleinen Fee erlangt. Stets der Gefahr ausgesetzt entdeckt zu werden, schmieden Otis und Olivia einen mutigen und gefährlichen Plan, durch den es ihnen schließlich gelingt, aus ihrer vertrackten Situation zu entkommen …

Vor allem die verschiedenen Handlungsstränge und die gut umrissenen Charaktere der zwei Hauptdarsteller wissen junge Leser an die „;Verbotene Welt“ zu fesseln. Otis und Olivia sind zwei Kinder, wie sie uns jeden Tag auf der Straße begegnen könnten. Die Autorin stellt die Beiden sehr quirlig und verwegen dar, was bei den Lesern sicherlich Anerkennung und eine gute Portion ehrlicher Solidarität mit deren Sorgen und Nöten hervorruft.

Anfangs werden wir Stück für Stück an die verschiedenen Lebenswelten der beiden Jugendlichen herangeführt, dabei wird langsam immer deutlicher, wie die beiden Protagonisten zusammenfinden. Da Olivias Mutter Englischlehrerin war, bevor sie begonnen hat zu trinken, wurde das Mädchen schon früh an die englische Sprache gewöhnt und die Kommunikation zwischen den beiden Kindern klappt ohne Schwierigkeiten.

Isabel Abedi erzählt die Geschichte aus der Sicht eines „;allwissenden“ Erzählers und bringt die Leser damit immer mitten in das Geschehen. So erleben wir nicht nur alle Unternehmungen der beiden Jugendlichen hautnah mit, sondern erfahren auch, wie sich zwischen den beiden unterschiedlichen Charakteren nach und nach eine tiefe Freundschaft entwickelt.

Durch den ständigen Wechsel der dargestellten „;Welten“ – auf der einen Seite der Kellerraum, in dem sich die Kinder befinden und todesmutige Abenteuer bestehen müssen – auf der anderen Seite die „;normale“ Welt, in der sich die Mütter der beiden schreckliche Sorgen machen, hält die Schriftstellerin ihre Leser ständig am Ball. Die kurzweiligen Formulierungen und altersgerechte Dialoge überzeugen. Schnell findet man Zugang zu den Geschehnissen dieses Buches, dessen Wendungen man bis zur letzten Seite mit Spannung und Neugier verfolgt. Isabell Abedi vermittelt ihren Lesern ein lebhaftes und gut vorstellbares Bild der beiden Welten und ihrer Charaktere. Und schließlich motiviert auch die Kürze der einzelnen Kapitel in diesem über 400 Seiten fassenden Buch zum Weiterlesen. Zum Ende findet sich noch ein zusätzliches Glossar, in dem die Sehenswürdigkeiten und Bauwerke, die in diesem Buch genannt werden, erklärt sind.

Fazit:

„;Verbotene Welt“ von Isabel Abedi ist spannende Unterhaltungslektüre für Kinder ab 10 Jahren. Die geschickt verwobenen Handlungsstränge, ein stetig wachsender Spannungsbogen und überraschende Wendungen garantieren ein mitreißendes Lesevergnügen.

Simone Brinkschulte

 

quelle:www.kinderbuch-couch.de


 


Zuletzt geändert von Matthias Kehmeier (kehmeier)  am 2.7.2013  um 05:42
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